Das Vorhaben: Ein perfekter Familienurlaub

„Wenn der Vater mit dem Sohne einmal ausgeht“, sang Heinz Rühmann 1955 in seinem gleichnamigen Film. Christian Fort ist inzwischen ebenfalls stolzer Vater und fuhr mit Frau, Sohn und Flugzeug in den Fliegerurlaub. Dass sich die beiden Fs, Fliegen und Familie, ganz hervorragend miteinander verbinden lassen, schildert er in seiner Urlaubsreportage.


Text: Christian Fort

Mein Interesse lag dabei natürlich auf einem Fliegerurlaub mit meinen Eltern. Mein Vater hat mir vor Jahren das Fliegen beigebracht und meine Mutter ist ehemalige Erbslöherin. Die sich auftuende Frage, wie meine Frau zu begeistern wäre, erledigte sich schnell: Wir fahren auf den nächsten Flugplatz im Umkreis ihrer Eltern: KLIX!
Die Vorbereitung: Flugzeug beantragen und Urlaubszeitraum festlegen. Klix hatte die gesamte deutsche Ferienzeit offen, was die Terminauswahl für uns NRW’ler sehr vereinfachte!
Die Freude: Im Dezember 2010 erhielt ich von Jochen König die Nachricht, dass ich die ASK 21 (D-8677) mit in den Urlaub nehmen durfte. Ich erfuhr dies an einem sonnigen Tag im Büro. Die Freude war riesig und sofort wurden alle Kollegen informiert, egal ob sie Interesse hatten oder nicht.
Das Training: Ich musste zuvor noch ein 300-km-Dreieck im Einsitzer fliegen. Nachdem ich 2009 den Versuch des Kuddeldreiecks an der ersten Wende zusammen mit Nils und Moritz in einen Jo-Jo-Flug von Langenfeld-Meschede-Aachen-Langenfeld verändert hatte, musste dieses Jahr ein waschechtes 300-km-Dreieck her.

Kurs auf die Kuddelpokalstrecke

Also begann ich die Saison pünktlich und flog mich fit. Am Osterwochenende war es dann soweit. Ostersonntag war mein Ziel, einen Teil der Kuddelpokalstrecke abzufliegen. Jeden Platz sehr tief betrachtend flog ich im Blauen vor. Ostermontag, die Prognose stimmte: Heute musste das Dreieck fallen. Vorbereitungen getroffen, spontan noch Mitflieger motiviert und ab ging es. Ein herrlicher Flug mit spannendem ersten Schenkel. Bei Sundern waren wir verdammt tief… Der letzte Schenkel zeichnete sich durch abtrocknende Thermik aus. Aber es ging gut!
Danach folgten noch die ordentlichen Ziellandungen auf der ASK 21 und schöne Flüge über dem Sauerland.
Zu guter Letzt erhielt meine Frau noch den Ritterschlag als junge Segelfliegerfrau: Sie erhielt eine Anhängerfahrschule und durfte sich nunmehr Rückholerin nennen.

Die Durchführung

Die ASK 21 wurde noch vor der Abfahrt ordentlich poliert und auf Leistung getrimmt. Dann ab in den Anhänger und nichts wie nach Klix.
Nach dem ersten Regentag direkt am Montag konnten wir den ersten Erkundungsflug am Dienstag durchführen. Schöne Gegend, thermisch herrlich und brauchbare Kraftwerke.
Der zweite Flug sollte direkt die 300-km-Strecke als Dreieck werden. Erste Wende Eisenhüttenstadt, anschließend Richtung Westen. An der ersten Wende sehr tief nach Anschluss gesucht; 500 m über Grund – sollte unser erster Versuch grandios an der ersten Wende scheitern…? Endlich wieder oben: „Lass uns zurück nach Klix, vielleicht nach Görlitz weiter“, riet mein Vater. Vor Klix sind wir dann noch nach Rothenburg abgebogen. Am Ende des Tages sagte der OLC-Zähler: 270 km. Der bisher größte Flug , den ich mit meinem Vater zusammen gemacht habe.
Die nächsten Tage waren wettermäßig leider nicht mehr so gut. Flüge in der weiteren Umgebung von Klix blieben spannend und anstrengend. Mal kurbelte ich uns aus, mal packte meinen Vater den Ehrgeiz, eine Außenlandung kämpfend zu verhindern.
Dann am Interims- Wochenende kamen die ersten Stimmen auf, dass in der nächsten Woche ein super Tag kommen würde. Am Montag bestätigte sich die Vorausschau und der Dienstag sollte beste Voraussetzungen mit sich bringen. Also schnell die letzten Flüge analysiert, Geschwindigkeitstheorien angeschaut und für den Dienstag eine Strecke ausgetüftelt.
Der Dienstag begann früh um 8:20 Uhr am Platz. Die „21“ zeitig fertig gemacht, nochmal schön poliert. Der gesamte Flugplatz war früh auf, Flugzeuge wurden klar gemacht – es musste gut werden! Briefing abgewartet und die Strecke letztmalig auf den Rat einer erfahrenen Klixer Streckenfliegerin hin geändert.

Unser größter Doppelsitzerflug: ein 360-km-Dreieck

Der zweite Start ließ uns dann von Klix abfliegen. Mit der gemeinsam beschlossenen Flugtaktik kamen wir gut voran und flogen den ersten Schenkel zeitig ab. Der zweite Schenkel führte uns durch thermisch hervorragendes Gebiet, jedoch war nur ein stillgelegter Platz als festes Aussenlandegelände da. Ohne Probleme meisterten wir diesen Weg. Letzte Wende: Eisenhüttenstadt. Die Erlebnisse des ersten 300er Versuches bei Eisenhüttenstadt lagen uns plötzlich tief im Magen. Doch diesmal ging es gut, und wir umrundeten den Flugplatz in angenehmer Höhe. Der Rückweg wurde ein besonderes Bonbon, lagen wir doch genau auf Gegenkurs zu einer Strecke der DMSt in Lüsse. Immer wieder sahen wir Pulks und Einzelflieger der offenen Klasse unter uns durchzischen.
Auf Endanflughöhe genossen wir den Rückflug und entschieden uns noch zu einer Runde um Bautzen, um den Tageskilometerzähler zu füttern. Leider fror mein Copilot auf dem hinteren Sitz, sodass wir kalt, aber überglücklich nach 6 Stunden landeten. Zum Schluss lag eine Strecke von 360 km im Dreieck oder 380 km freie Strecke hinter uns. Der größte Flug meines Vaters und zusammen unser größter Doppelsitzerflug. Genial! Unser Hauptrückholer begrüßte uns nach der Landung mit Kaffee für den Unterkühlten, Landekuchen für beide und Landebier für mich. Wunderbar!
Leider waren die darauffolgenden Tage nicht mehr fliegerisch nutzbar. Sodass wir „unsere Rekordmaschine“ mit diesem Erlebnis abrüsten durften.
Abschluss: Mit Thermik betankt und ordentlich poliert wurde die ASK 21 dann nach Wittstock-Berlinchen gebracht, wo am darauffolgenden Wochenende die LSG zum Ferienlager eintrudeln sollte.
Ziel „300-km-Dreieck mit der ASK 21“: geschafft! Am Ende des Fliegerurlaubes standen ca. 1000 km zu Buche. Familienurlaub mit Flugzeug geht! Man muss eben alle Interessen vorher absprechen und einhalten!
Für meinen kleinen Sohn war es der erste Familienurlaub überhaupt und direkt mit Segelflugzeug… Wenn das mal kein Flieger wird…

1 Kommentar

  1. Toller Bericht, man fliegt -bei Deiner Erzählung- mit Dir.
    Ich hoffe dass in diesem Jahr -2013- mehr Flüge möglich sind.
    Schon verrückt, dass man ins Internet muss um Deine Flüge und Deine Eindrücke zu erfahren.
    Karin

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